Bilbao: eine Stadt mit zwei Gesichtern
Die Reise beginnt im Juni 2023 in Bilbao. Schon die ersten Stadtbilder zeigen, dass die baskische Metropole weit mehr zu bieten hat als ihr berühmtes Museum. Vor dem Teatro Arriaga öffnet sich ein weiter Platz. Menschen gehen über das Pflaster, bleiben stehen oder betrachten die Fassade. Über ihnen ziehen helle Wolken durch den blauen Himmel. Das Theater mit seinen Säulen, Figuren und kleinen Kuppeln setzt einen festlichen Akzent am Rand der Altstadt.
Ein anderes Bild der Stadt entsteht am Abend beim Palacio Foral. Die Strassenlampen leuchten bereits, das letzte Tageslicht bleibt noch zwischen den Bäumen hängen. Der kräftige Steinbau mit seinen Balkonen und dem reich geschmückten Eingang wirkt beinahe wie eine Kulisse. Neben der repräsentativen Architektur gehören aber auch Velospuren, Fussgängerstreifen und der alltägliche Verkehr zum Bild. Bilbao ist keine Museumsstadt unter einer Glasglocke.
Das Guggenheim: Architektur am Fluss
Am Ufer des Nervión wechselt die Formensprache vollständig. Statt gerader Fassaden bestimmen geschwungene Flächen und metallische Rundungen das Bild. Das Guggenheim Museum scheint je nach Blickwinkel aus anderen Teilen zusammengesetzt zu sein. Seine Titanhaut nimmt das Licht auf; dahinter erhebt sich der schlanke Iberdrola-Turm. Links setzt der rote Bogen der La-Salve-Brücke einen kräftigen Farbakzent.
Gerade von der Brücke aus lässt sich das Zusammenspiel von Wasser, Wegen und Gebäuden gut erkennen. Das Museum steht nicht isoliert da, sondern prägt einen ganzen Stadtraum. Die Aufnahme verbindet mehrere Ebenen: vorne das grüne Geländer, darunter das Wasser und dahinter die silbrige Architektur. Ein Blick, der Bilbaos moderne Seite auf den Punkt bringt.
Die Küstenetappe: über Bakio, Gaztelugatxe und Lekeitio nach San Sebastián
Von Bilbao führt diese Tagesetappe zuerst nach Bakio. Der weite Sandstrand und die grünen Hügel geben den Auftakt zu einem Tag an der baskischen Küste. Nach dem Metallglanz des Guggenheim bestimmen nun Sand, Meer und die offenen Ausblicke das Bild.
Die nächste Station ist San Juan de Gaztelugatxe. Schon der gelbe Wegweiser kündigt das Ziel an: die kleine Felseninsel mit ihrer Einsiedelei, die über eine Steinbrücke und einen Treppenweg mit dem Festland verbunden ist. Das kräftige Gelb vor dem Holzzaun und dem Blattgrün setzt einen ganz eigenen Farbakzent auf dieser Küstenetappe.
Weiter geht es nach Lekeitio. Hier steht die Basílica de la Asunción de Santa María unter einem hellen Himmel. Ihr spitzes Portal, die Fensterrose und der hohe Glockenturm gliedern die gotische Fassade. Zum steinernen Stadtbild kommt wieder die Küste hinzu: türkisfarbenes Wasser, Sand und grüne Hügel. Von Lekeitio führt die Route schliesslich nach San Sebastián.
San Sebastián: Strand und Stadt in einem
San Sebastián, auf Baskisch Donostia, empfängt die Reise mit seiner weiten Bucht. Am Strand von La Concha ist der Sand im Abendlicht dunkel und glatt; die Häuser ziehen sich als helle Linie am Ufer entlang. Hinter ihnen rahmen grüne Hügel die Stadt. Meer und Stadt liegen hier so nahe beieinander, dass ein Strandspaziergang zugleich ein Stadtspaziergang ist.
Chillida Leku: Kunst braucht Raum
Am 18. Juni führt die Bildfolge nach Chillida Leku bei Hernani. Eduardo Chillidas Skulpturen stehen hier zwischen Bäumen und auf offenen Wiesen. Der Park gibt ihnen Abstand voneinander – und damit Raum, ihre Wirkung zu entfalten. Die Kunst ist nicht von der Landschaft getrennt. Grün, Schatten und Himmel gehören zum Blick auf jedes einzelne Werk.
Burgos: ein Abstecher in die Gotik
Der letzte Teil der Reise führt über das Baskenland hinaus nach Burgos in Kastilien und León. Nach Chillidas reduzierten Formen folgt nun eine Architektur, die kaum eine Fläche ungeschmückt lässt. In der Kathedrale ziehen vergoldete Figuren und fein gegliederte Altäre den Blick auf sich. Heller Stein bildet den ruhigen Rahmen für die dichten Reihen von Heiligenfiguren.
Ein Blick nach oben eröffnet eine weitere Welt aus Farben, Gold und Ornamenten. Die reich geschmückte Decke wirkt fast wie ein eigenes Bild. Wo in Chillida Leku das Grün durch die Skulpturen schimmerte, füllt hier der Schmuck die gewölbten Flächen. Beide Orte laden zum genauen Hinsehen ein – nur auf völlig unterschiedliche Weise.
Am Abend öffnet sich die Plaza Mayor unter einem dramatischen Wolkenhimmel. Hinter den Häusern ragen die Spitzen der Kathedrale auf. Menschen verteilen sich über den weiten Platz, während die warmen Fassadenfarben den Himmel aufnehmen. Am nächsten Tag zeigt die Nahaufnahme der gotischen Turmspitzen, wie filigran Stein wirken kann: Fialen, Figuren und durchbrochene Formen stehen dicht beieinander und zeichnen sich gegen den Himmel ab.
Am 20. Juni endet die Reise. Hinter ihr liegen grosse Gegensätze: eine Stadt am Fluss, Strände am Atlantik, Skulpturen im Grünen und eine Kathedrale voller Details. Zusammen ergeben sie ein vielseitiges Bild dieser Junireise – mit dem Baskenland als Mittelpunkt und Burgos als eindrucksvollem Schlusspunkt.

