Norditalien - Von Padua über Ferrara und Ravenna nach Venedig
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Norditalien - Von Padua über Ferrara und Ravenna nach Venedig

Unterwegs9 Min. Lesezeit

Fresken, Mosaike und Kanäle: eine Reise zu den grossen Kunstschätzen Norditaliens – im eigenen Tempo und mit viel Zeit zum Flanieren.

Zwei Wochen im Oktober 2026 durch Venetien und die Emilia-Romagna: Giottos Fresken in Padua, das Castello Estense in Ferrara, die Mosaike von Ravenna, die Kanäle von Comacchio und Chioggia – und zum Schluss Kunst und Biennale in Venedig.

Padua: Heilige, Fresken und Gelehrte

Mit dem Flug von Zürich landeten wir in Venedig und fuhren mit dem Mietwagen in einer knappen Dreiviertelstunde nach Padua. Schon am ersten Abend zog es uns zu Fuss in die Altstadt, wo auf der Piazza della Frutta vor dem mächtigen Palazzo della Ragione gerade die Lebensmittelmesse Salone dei Sapori für Trubel sorgte. Am nächsten Tag spazierten wir über den Prato della Valle, einen der grössten Plätze Italiens, gesäumt von Statuen und überragt von der Abtei Santa Giustina, hinüber zur Basilica di Sant’Antonio. Die Grabeskirche des heiligen Antonius mit ihren fünf Kreuzgängen ist eindrücklich.

Der Höhepunkt Paduas aber ist die Cappella degli Scrovegni. Nach einem aufschlussreichen Einführungsfilm stehen die Besucher für eine knapp bemessene Zeit vor Giottos weltberühmtem Freskenzyklus – das Jüngste Gericht an der Eingangswand ist überwältigend. Im benachbarten Museo Eremitani hängt zudem das ebenfalls von Giotto stammende Altarkreuz der Kapelle. Grossartig! Am dritten Tag führte uns eine Besichtigung durch den Palazzo Bo, die alte Universität: die Sala Magna, das Rednerpult Galileo Galileis – samt einem seiner Lendenwirbel als Reliquie – und als Krönung das Teatro Anatomico aus dem 16. Jahrhundert, das älteste erhaltene anatomische Theater der Welt. Draussen feierten Hunderte frischgebackene «Laureati» mit Lorbeerkranz und Familie ihren Studienabschluss.

Der Prato della Valle mit der Abtei Santa Giustina
Der Prato della Valle mit der Abtei Santa Giustina
Eine der vielen Statuen am Prato della Valle
Eine der vielen Statuen am Prato della Valle
Die Basilica di Sant’Antonio in Padua
Die Basilica di Sant’Antonio in Padua
Bronzeskulptur unter den Arkaden
Bronzeskulptur unter den Arkaden
Giottos Jüngstes Gericht in der Cappella degli Scrovegni
Giottos Jüngstes Gericht in der Cappella degli Scrovegni
Akrobatische Bronzefiguren bei der Chiesa degli Eremitani
Akrobatische Bronzefiguren bei der Chiesa degli Eremitani
Der Palazzo della Ragione
Der Palazzo della Ragione
Das Teatro Anatomico im Palazzo Bo
Das Teatro Anatomico im Palazzo Bo
Frischgebackene Laureati feiern mit Lorbeerkranz
Frischgebackene Laureati feiern mit Lorbeerkranz

Ferrara: die Stadt der Este

Gut 75 Kilometer südlich liegt Ferrara, die einstige Residenzstadt der Familie Este. Unser Hotel in alten Gemäuern lag mitten in der Altstadt, und so liess sich alles bequem zu Fuss erkunden: das wuchtige Castello Estense mit seinem Wassergraben, das Rathaus und der Dom, dann die Renaissance-Erweiterung mit dem Palazzo dei Diamanti und dem Parco Massari. Am späteren Nachmittag besuchten wir den Palazzo Schifanoia mit seinem wunderbaren Freskensaal der Monate und Sternzeichen. Auch in Ferrara feierten die Laureati lautstark in den Gassen. Ein besonderes Erlebnis war eine frühmorgendliche Joggingrunde auf der gut erhaltenen Stadtmauer, die die ganze Altstadt umschliesst.

Das Castello Estense in Ferrara
Das Castello Estense in Ferrara
Putto an einer Balustrade in Ferrara
Putto an einer Balustrade in Ferrara

Ravenna: ein Rausch aus Mosaiken

In Ravenna bezogen wir eine frisch renovierte Wohnung mitten in der Stadt – ideal, um die Sehenswürdigkeiten zu Fuss zu erreichen. Schon am ersten Nachmittag standen wir im Mausoleum der Galla Placidia und in der Basilica di San Vitale, deren byzantinische Mosaike in Gold, Grün und Blau schlicht unglaublich schön sind. Am folgenden Tag ging es weiter zum Erzbischöflichen Museum mit der Cappella di Sant’Andrea, zum Baptisterium der Orthodoxen (Battistero Neoniano), zum Grabmal Dantes und schliesslich zur Basilica di Sant’Apollinare Nuovo mit ihren langen Mosaikprozessionen – darunter die Heiligen Drei Könige. Ravenna ist ein Ort, an dem man sich an den Mosaiken kaum sattsehen kann. Und kulinarisch war die Stadt ein Höhepunkt der ganzen Reise.

Die Basilica di San Vitale
Die Basilica di San Vitale
Das Mausoleum der Galla Placidia
Das Mausoleum der Galla Placidia
Das Mausoleum der Galla Placidia im Abendlicht
Das Mausoleum der Galla Placidia im Abendlicht
Das Mosaikgewölbe im Chor von San Vitale
Das Mosaikgewölbe im Chor von San Vitale
Die Apsis von San Vitale
Die Apsis von San Vitale
Der Dom von Ravenna mit dem Baptisterium
Der Dom von Ravenna mit dem Baptisterium
Die Heiligen Drei Könige in Sant’Apollinare Nuovo
Die Heiligen Drei Könige in Sant’Apollinare Nuovo

Durch das Po-Delta: Comacchio, Pomposa und Chioggia

Auf dem Weg nach Norden machten wir Halt in Comacchio, einem kleinen, pittoresken Städtchen mit Kanälen, farbigen Häusern und der markanten Treppenbrücke Trepponti. Unerwartet wurde danach die Abtei von Pomposa zum Höhepunkt des Tages: Die romanische Klosterkirche birgt wunderschöne Fresken und Mosaikböden. Am späteren Nachmittag erreichten wir Chioggia an der südlichen Lagune – eine verkehrsberuhigte Stadt im venezianischen Stil, einfach viel kleiner und ruhiger. Unser Hotel lag direkt an der Wasserfront. Am nächsten Morgen besuchten wir noch die Barockkirche San Domenico, in der ein Gemälde von Vittore Carpaccio aus dem Jahr 1520 hängt, bevor wir durch die flache Landschaft zum Flughafen fuhren und den Mietwagen abgaben.

Die Trepponti-Brücke in Comacchio
Die Trepponti-Brücke in Comacchio
Farbige Häuser spiegeln sich in den Kanälen von Comacchio
Farbige Häuser spiegeln sich in den Kanälen von Comacchio
Ein Kanal in Chioggia
Ein Kanal in Chioggia

Venedig: Kunst zwischen Kanälen

Mit dem Alilaguna-Boot ging es über die Lagune nach Venedig, wo wir für die letzte Woche eine helle Wohnung im ruhigeren Dorsoduro bezogen. Mit einem Siebentage-Ticket für den Vaporetto erkundeten wir von dort aus die Stadt. Gleich am ersten Tag fiel uns im Garten des Palazzo Franchetti am Canal Grande eine monumentale Glasskulptur des amerikanischen Künstlers Dale Chihuly auf. Danach führte der Weg durch die übervollen Gassen zum Palazzo Fortuny mit seiner Sammlung und einer Ausstellung von Erwin Wurm.

Venedig stand im Zeichen der Biennale. Im Garten des Karmeliterklosters Scalzi beim Bahnhof erlebten wir eine fantastisch gemachte Klanginstallation eines Künstlerkollektivs, kuratiert vom Schweizer Hans-Ulrich Obrist – einfach nur schön. Im Palazzo Manfrin zeigte Anish Kapoor seine Werke. Die Hauptausstellung im Arsenale und die meisten Länderpavillons begeisterten uns hingegen nur mässig – mit Ausnahme des grossartigen indischen Pavillons. Weitere Stationen waren die Ausstellung zu Michael Armitage im Palazzo Grassi, Leandro Erlich im Negozio Olivetti an der Piazza San Marco und Amoako Boafo im Palazzo Grimani, dessen Fresken, Mosaikböden und ein Saal mit Werken von Georg Baselitz den Besuch allein schon lohnen.

Ebenso eindrücklich waren die alten Meister: Tizian, der in der Frari-Basilika begraben liegt, Donatello und Vivarini in Santa Maria Gloriosa dei Frari, Tintoretto in San Rocco und Bellinis «Sacra Conversazione» in San Zaccaria. Bei der Punta della Dogana wurde gerade eine schwimmende Brücke über den Canal Grande für den Venedig-Marathon gebaut, und gleich daneben thront die Basilica Santa Maria della Salute. Und manchmal waren es die kleinen Momente, die blieben: ein Strassenmusiker, der auf Wassergläsern spielte, ein Aperitivo am Wasser mit Blick auf den Canal Grande – oder einfach das Treiben der Gondeln und Boote.

Gondeln auf dem Canal Grande
Gondeln auf dem Canal Grande
Die Basilica Santa Maria della Salute
Die Basilica Santa Maria della Salute
Ein Gondoliere vor einem Palazzo am Canal Grande
Ein Gondoliere vor einem Palazzo am Canal Grande
San Giorgio Maggiore vom Wasser aus
San Giorgio Maggiore vom Wasser aus
Blick über die Lagune nach San Giorgio Maggiore
Blick über die Lagune nach San Giorgio Maggiore
Bootsverkehr auf dem Canal Grande
Bootsverkehr auf dem Canal Grande

Nach zwei Wochen voller Kunst, Kanäle und italienischer Lebensart flogen wir am 24. Oktober von Venedig zurück nach Zürich.

Norditalien: von Padua nach Venedig

7 Stationen – von Padua bis Venedig

  1. 1Padua — Scrovegni-Kapelle, Sant'Antonio, Palazzo Bo
  2. 2Ferrara — Castello Estense, Palazzo Schifanoia
  3. 3Ravenna — San Vitale, Galla Placidia, Sant'Apollinare Nuovo
  4. 4Comacchio — Kanäle und Trepponti
  5. 5Abtei Pomposa — Fresken und Mosaikböden
  6. 6Chioggia — Kleine Lagunenstadt
  7. 7Venedig — Dorsoduro, Biennale, Frari und San Zaccaria

Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende

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