Ewige Sonne über eisigem Meer
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Ewige Sonne über eisigem Meer

Unterwegs6 Min. Lesezeit

Tromsø jenseits des Polarkreises: Mitternachtssonne, stille Fjorde und ein warmes Licht, das selbst spät in der Nacht nicht vergeht.

Tromsø – noch nie davon gehört? Dann wird es Zeit, den Blick nach Norden zu richten. Rund 350 Kilometer nördlich des Polarkreises liegt die norwegische Stadt dort, wo das Meer auf schroffe Berge trifft und die Sonne im Sommer wochenlang nicht untergeht.

Tromsø eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Entdeckungen in Nordnorwegen. Wer die Region vom Wasser aus kennenlernen möchte, gleitet mit dem Kajak durch stille Fjorde, geht an Bord eines Hurtigruten-Schiffs oder nimmt an einer Walsafari teil. Das Nordkap ist der nördlichste vom Festland aus auf dem Straßenweg erreichbare Punkt Europas und von Tromsø aus, je nach Route und Verkehrsmittel in rund zwei Reisetagen erreichbar.

Bug eines Hurtigruten-Schiffs im Gegenlicht der tief stehenden Sonne
Im Gegenlicht der Mitternachtssonne: der Bug eines Hurtigruten-Schiffs

Die Mitternachtssonne

Die Mitternachtssonne ist Tromsøs spektakulärstes Naturphänomen. Während mehrerer Wochen im Sommer bleibt die Sonne über dem Horizont. Selbst spät am Abend liegt goldenes Licht über Bergen, Wasser und Häusern. Diese langen hellen Stunden sind ideal für Wanderungen, Velotouren und Ausflüge in die Natur. Auch Hobbyfischer und Ornithologen kommen auf ihre Kosten.

Mitternachtssonne über dem Fjord bei Tromsø mit schneebedeckten Bergen
Mitternachtssonne über dem Fjord – die Sonne geht im Sommer während Wochen nicht unter.

Das Wetter zeigt sich dagegen typisch nordisch: wechselhaft und manchmal überraschend. Im Sommer liegen die Temperaturen in Tromsø meist zwischen 10 und 20 Grad Celsius, an besonders warmen Tagen kann es auch deutlich milder werden. Wind, Regen und rasche Wetterumschwünge gehören jedoch jederzeit dazu. Packe deshalb am besten mehrere Kleidungsschichten, solides Schuhwerk und eine wasserdichte Jacke ein. Die Menschen in Nordnorwegen sind übrigens keineswegs so kühl, wie es die arktische Lage vermuten lässt.

Stadtbummel, Hafen und Panoramablick

Plane für Tromsø zunächst ein bis zwei Nächte ein. Die kompakte Innenstadt lässt sich gut zu Fuss erkunden. Im Polarmuseum erfährst du mehr über die Geschichte der Polarforschung und die abenteuerlichen Expeditionen in die Polarregionen. Anschliessend lohnt sich ein Spaziergang zum Hafen, wo Schiffe ein- und auslaufen und das maritime Leben der Stadt besonders deutlich wird.

Hurtigruten-Schiff im Hafen von Tromsø vor schneebedeckten Bergen
Ein Hurtigruten-Schiff im Hafen von Tromsø

Für den besten Überblick geht es hinauf auf den Hausberg Storsteinen. Die Seilbahn bringt dich bequem nach oben; Sportliche können den Aufstieg auch zu Fuss bewältigen. Vom Gipfel reicht der Blick über Tromsø, den Sund und die umliegenden Berge. Kombinieren lässt sich der Ausflug mit einem Besuch der Eismeerkathedrale. Ihre markante Architektur erinnert an gefrorene Wasserfälle und die Formen der arktischen Landschaft.

Panoramablick vom Storsteinen über Tromsø, die Brücke und den Sund im Abendlicht
Blick vom Hausberg Storsteinen über Tromsø im Licht der Mitternachtssonne
Die Eismeerkathedrale in Tromsø vor grünen Hängen und Schneebergen
Die Eismeerkathedrale – Wahrzeichen von Tromsø

Fisch, Rentier und nordische Küche

Die Nähe zum Meer prägt auch die Küche. Fisch wird in Nordnorwegen in unzähligen Varianten serviert, darunter Kabeljau, Heilbutt und Lachs. Probiere ausserdem Rentierfleisch, das in vielen Restaurants auf der Speisekarte steht. Die nordische Küche lebt von hochwertigen, oft schlicht zubereiteten Zutaten.

Nach dem Essen lockt die Landschaft. Mit dem Velo lassen sich die Strassen und Küsten rund um Tromsø erkunden; zu Fuss führen zahlreiche Wege hinaus in die Berge. Für mehrere Tage Aufenthalt empfiehlt sich eine Unterkunft in einer traditionellen Rorbu. Die typischen Fischerhäuser liegen häufig direkt am Wasser und bieten eine stimmungsvolle Basis für Wanderungen und Ausflüge.

Nach einem aktiven Tag gibt es kaum einen schöneren Ort als die Terrasse vor einem kleinen rot-weiss gestrichenen Holzhaus. Ein gutes Buch, der Blick über den Fjord und das lange Abendlicht machen selbst eine Pause zum Reiseerlebnis. Als literarische Begleitung bietet sich Knut Hamsun an – ein bedeutender, zugleich politisch und biografisch umstrittener norwegischer Schriftsteller, dessen Werke atmosphärisch gut in diese Landschaft passen.

Abstecher auf die Lofoten und Vestralen

Ein Höhepunkt vieler Nordnorwegen-Reisen ist ein mehrtägiger Abstecher auf die Inselgruppe der Lofoten und Vestralen. Je nach Fahrplan und Route können die Hurtigruten-Schiffe dafür ein besonders stimmungsvolles Verkehrsmittel sein. Schon die Fahrt durch die zerklüftete Küstenlandschaft ist ein Erlebnis.

Hier erwarten dich tiefe Fjorde, steil aufragende Berge und weitläufige Strände. An einigen Orten gibt es sogar gute Möglichkeiten zum Surfen. Wer die Inselgruppe individuell erkunden möchte, sollte mehrere Tage einplanen – die Entfernungen wirken auf der Karte oft kürzer, als sie tatsächlich sind.

Kleines Boot auf dem glitzernden Fjord vor den blauen Bergsilhouetten Nordnorwegens
Lichtspiel bei Svolvær auf den Lofoten

Wale beobachten vor Tromsø

Und dann sind da noch die Wale. Vor Tromsø werden je nach Jahreszeit und Ausgangsort regelmässig Walsafaris angeboten. Welche Arten zu sehen sind und wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung ist, hängt stark von Saison, Wetter und den Wanderbewegungen der Meeressäuger ab. Neben Pottwalen können mit etwas Glück auch Buckel-, Finn- oder Zwergwale sowie Weissseitendelfine auftauchen. Eine Sichtung lässt sich allerdings nie garantieren.

Gerade das macht den Moment so besonders: Plötzlich durchbricht irgendwo eine Rückenflosse die Wasseroberfläche. Dann wird klar, warum sich die Reise nach Tromsø nicht nur wegen der Mitternachtssonne lohnt.

Der hohe Norden Norwegens ist keine Landschaft, die man im Vorbeifahren abhakt. Man erlebt sie mit allen Sinnen – auf dem Wasser, in den Bergen, am Hafen und unter einer Sonne, die im Sommer scheinbar niemals schlafen geht. Entsprechend ist es im Winter genau umgekehrt. Nächte, die nicht aufhören wollen, haben zwar nicht für allen den gleichen Reiz. Dafür gibt es in dieser Jahreszeit fast keine Touristen und die Möglichkeit Polarlichter zu sichten. 

Von Tromsø über die Lofoten zum Nordkap

3 Stationen – von Tromsø bis Nordkap

  1. 1Tromsø
  2. 2LofotenSvolvær
  3. 3Nordkap

Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende

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