Deutschland liegt vor der Haustür – und wird deshalb gerne übersehen. Vom 28. August bis 10. September 2016 haben wir uns zwei Wochen Zeit genommen und sind im Zickzack durchs Land gefahren: von Oberbayern über Franken und Thüringen nach Sachsen, weiter zum Bauhaus nach Dessau, in den Spreewald und über Nürnberg zurück. Kein Programm mit Rekorden, dafür eines mit erstaunlich vielen Höhepunkten.
Rokoko auf der grünen Wiese
Der Auftakt gehört dem bayerischen Voralpenland. Die Wieskirche steht scheinbar zufällig auf einer Wiese – von aussen bescheiden, im Inneren ein Feuerwerk aus Stuck, Farbe und Licht. Man betritt sie und bleibt unwillkürlich stehen.
Weiter geht es über Bad Tölz, wo sich die Marktstrasse mit ihren bemalten Fassaden bergab zieht – ein guter Ort für den ersten Kaffee und einen Bummel ohne Ziel.
Franken und Thüringen
Nach einem kurzen Abstecher an den Tegernsee, führt unsere Reise weiter Richtung Norden. Bamberg ist ein Glücksfall: eine Altstadt, die den Krieg überstanden hat, sieben Hügel, Fachwerk am Wasser und das Alte Rathaus, das mitten in der Regnitz auf einer künstlichen Insel steht. Dazu ein Rauchbier, das man mögen muss – oder eben nicht.
In Weimar wird die deutsche Geistesgeschichte plötzlich sehr konkret: Goethes Wohnhaus, Schillers Arbeitszimmer, der Park an der Ilm. Vor dem Nationaltheater stehen die beiden in Bronze – nicht zu übersehen.
Sachsen: Schloss, Elbe, Frauenkirche
Schloss Moritzburg liegt auf einer Insel in einem künstlichen Teich – und spiegelt sich in der Abenddämmerung so perfekt, dass man das Stativ auspacken möchte. Wer als Kind «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» gesehen hat, erkennt es sofort.
Dresden verlangt Zeit. Die wiederaufgebaute Frauenkirche, der Zwinger, der Fürstenzug, die Brühlsche Terrasse und ein Raddampfer auf der Elbe: Die Stadt hat sich ihr Gesicht zurückgeholt, und sie zeigt es gern. Als Kunstliebhaber lassen wir uns natürlich die Gemäldegalerie der Alten Meister im Zwinger und das Albertinum mit ihrer kostbaren Sammlungen nicht entgehen. Auch einen Besuch im Residenzschloss und dem Grünen Gewölbe darf nicht fehlen.
Bauhaus in Dessau
Nach so viel Barock tut der Gegenpol gut: Das Bauhausgebäude in Dessau wirkt bald hundert Jahre nach der Eröffnung immer noch verblüffend gegenwärtig. Glasfassade, Stahlbalkone, klare Linien – und dieser Schriftzug, den jeder kennt.
Spreewald und Rückweg über Franken
Im Spreewald wechselt man das Verkehrsmittel: Statt Auto Paddel. Auf hunderten Kilometern Wasserstrassen gleitet man zwischen Erlen und Wiesen, vorbei an Höfen, die nur per Kahn erreichbar sind. Dazu Spreewaldgurken in jeder denkbaren Variante.
Der Rückweg führt über Nürnberg mit der Frauenkirche am Hauptmarkt und schliesslich durch das Fachwerk-Hohenlohe. Fazit nach zwei Wochen: Deutschland ist ein unterschätztes Reiseland – und eine Fahrt im Zickzack schlägt jede gerade Linie.

