Für einen Moment lehne ich mich am Feuer des Camps auf meinem Safaristuhl zurück und erblicke am wolkenlosen, sternenbedeckten afrikanischen Himmels das Kreuz des Südens. Ein Tag voller Höhepunkte liegt hinter uns. Nebst Flusspferden, Giraffen und zahlreichen Antilopenarten hatten wir heute sogar einen Leoparden gesichtet. Kann es noch besser werden?
Eine komfortable Nacht im Camp und rund hundertfünfzig Pistenkilometer später treffen wir aus dem westlichen Teil des Tsavo Nationalpark kommend am Südeingang des kenianischen Amboseli Nationalparks ein. Die Landschaft präsentiert sich am Ende der Regenzeit wohltuend grün. Schon bald nach dem Eingang sichten wir die ersten Elefantenherden.
«Simba, hapo» sagt der Fahrer nach ein paar weiteren Minuten und deutet auf den Rand eines kleinen Waldes hin, wo auch die weniger geübten Augen eines Touristen nach und nach drei Zweiergruppen von Löwen sichten. Es handelt sich offensichtlich um jeweils ein Männchen und ein Weibchen. Paarungszeit! Löwen paaren sich während mehren Tagen, am Anfang fast im Minutenrhythmus und dann mit zunehmender Erschöpfung in immer längeren Abständen. Bei den gesichteten Pärchen scheint sich die Paarungszeit dem Ende zuzuneigen. Nur noch eines der drei Paare kann sich nach rund fünfzehn Minuten zu einem «Akt» aufraffen.
Doch plötzlich scheint die Idylle gestört. Von rechts naht eine Gruppe von sieben Elefanten, die es sich in ihre riesigen Köpfe gesetzt hat, den Park genau an der Stelle zu durchqueren, wo die Löwen ihr Liebesnest belegen. Die Spannung steigt abrupt, als die Elefanten bemerken, dass ihrem kleinsten, etwa vier Monate alten Sprössling, von Seiten der Wildkatzen Gefahr drohen könnte. Sofort formieren sie sich neu und das Kleine wird in die Mitte genommen. Die Gruppe setzt den eingeschlagenen Weg zuerst zögerlich, dann fest entschlossen in «Kampfformation» fort. Die Löwen lassen sich vorerst nicht aus der Ruhe bringen. Erst als die grosse Elefantenkuh die Ohren nach vorne stellt und drohende Trompetengeräusche von sich gibt, horchen sie auf, bleiben aber liegen. Sie sind vom tagelangen Liebesspiel ganz einfach zu erschöpft, um die drohende Gefahr ernst zu nehmen. Die Elefanten, offensichtlich ob der mangelnden Respekterweisung erzürnt, blasen nun endgültig zum Angriff und halten dabei ihr Kleines immer schön in der Mitte. Die Löwen haben keine Wahl, als das Weite zu suchen und machen einen grossen Bogen um die Herde, um sich am Schluss wieder in Richtung ihres Liebesnestes zu bewegen. Das reicht den Elefanten immer noch nicht. Einmal mehr «donnern» sie wild trompetend auf die Löwen zu und vertreiben diese endgültig.
Na also, wer sagt's denn, die wahren Könige der Savanne haben sich durchgesetzt. Jede Pirschfahrt hält eine kleine oder manchmal sogar eine grosse Überraschung bereit.

