Delhi – Ankunft zwischen Moscheen und Minaretten
Indien empfängt einen mit allen Sinnen gleichzeitig: mit Lärm, Farben, Düften und einer Herzlichkeit, die einen von der ersten Stunde an in ihren Bann zieht. Unsere Reise beginnt in Delhi, der pulsierenden Hauptstadt, in der sich Jahrhunderte auf engstem Raum drängen. Auf dem weiten Vorhof der Jama Masjid, der grössten Moschee des Landes, flaniert ein Mädchen in knallroter Jacke, während Gläubige und Besucher zwischen den Sandsteintoren umherziehen.
Nur wenige Kilometer weiter ragt der Qutb Minar in den Himmel – ein 73 Meter hohes Siegesminarett aus rotem Sandstein, das seit dem 12. Jahrhundert über die Stadt wacht. Durch die Torbögen der Ruinen betrachtet, wirkt der Turm fast wie eine Kulisse aus einer anderen Zeit. Doch das wahre Delhi spielt sich auf den Strassen ab: Männer schieben Karren, die unter der Last der Kisten fast zusammenbrechen, Lastenräder stapeln weisse Säcke zu wackligen Türmen, und zwischen all dem Gewimmel sitzt ein Strassenfriseur und rasiert seinen Kunden mit ruhiger Hand – mitten auf dem Bürgersteig.
Agra – das Taj Mahal und die verlassene Stadt
Von Delhi geht es weiter nach Agra. Schon auf der Fahrt dorthin wird klar, dass in Indien die Strasse selbst eine Sehenswürdigkeit ist: Velorikschas, beladene Wagen und Fussgänger teilen sich den Asphalt in einer Ordnung, die nur Eingeweihte verstehen.
Und dann steht er da, der berühmteste Bau Indiens: das Taj Mahal. Das weisse Marmormausoleum, das Shah Jahan für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal errichten liess, spiegelt sich im langen Wasserkanal der Gartenanlage. So oft man es auf Bildern gesehen hat – der Moment, in dem man zum ersten Mal davor steht, übertrifft jede Vorstellung.
Ein Abstecher führt uns nach Fatehpur Sikri, der einstigen Hauptstadt des Mogulreichs. Kaiser Akbar liess die Stadt aus rotem Sandstein erbauen – und gab sie wenige Jahre später wieder auf, weil das Wasser knapp wurde. Heute stehen Paläste und Höfe fast unverändert in der Landschaft, bewacht von Männern mit roten Turbanen, die sich im Schatten der Tore ausruhen.
Jaipur – die rosarote Stadt
Weiter geht es nach Jaipur, der «Pink City». Wir quartieren uns im Rambagh Palace ein, dem ehemaligen Palast der Maharadschas, der heute Gäste aus aller Welt empfängt. Vor dem Eingang paradieren Reitkamele in festlichem Schmuck, und Diener mit orangefarbenen Turbanen empfangen die Ankommenden.
Das Wahrzeichen der Stadt ist der Hawa Mahal, der Palast der Winde: eine rosa Fassade mit fast tausend kleinen Fenstern, hinter denen sich einst die Frauen des Hofes unbeobachtet das Strassenleben ansehen konnten. Hoch über der Stadt thront das Fort Amber, dessen weitläufige Mauern und Höfe in der Nachmittagssonne golden leuchten.
Durchs ländliche Rajasthan nach Bikaner
Zwischen den grossen Städten liegt das eigentliche Rajasthan: eine endlose Abfolge von Dörfern, Feldern und Begegnungen. Überall, wo wir halten, sind wir sofort umringt – von Männern, die stolz ihre Kamele zeigen, von ganzen Dorfgemeinschaften, die sich unter den Bäumen versammeln. Ein Traktor voller Fahrgäste rumpelt vorbei, ein kleiner Junge posiert mit seinem Ball vor unserem Bus, und ein älterer Mann mustert uns freundlich vor der Anschlagtafel seines Dorfes.
In Bikaner, am Rand der Thar-Wüste, empfängt uns das Junagarh-Fort mit seinen reich verzierten Sandsteinfassaden. Erker, Balkone und Gitterwerk erzählen vom Reichtum der einstigen Fürsten. Gleich daneben steht der Laxmi Niwas Palace, dessen roter Sandstein über gepflegten Rasenflächen thront. In den Gassen der Stadt geht das Leben seinen gewohnten Gang: Eine Frau kehrt die Strasse, Velofahrer schlängeln sich durch den Verkehr, und in einem stillen Hinterzimmer schreibt ein Kalligraf mit unermüdlicher Konzentration.
Jaisalmer und die Thar-Wüste
Der westlichste Punkt unserer Reise ist Jaisalmer, die goldene Stadt in der Wüste. Hier gehören die Kamele zum Stadtbild wie anderswo die Taxis: reich geschmückt warten sie auf Reiter, trotten in Gruppen durch den Sand und tragen uns bei einem Ausritt in die Dünen der Thar.
Das Fort von Jaisalmer, eine lebendige Festung aus goldgelbem Sandstein, wird bis heute bewohnt. Am Gadisar-See, dem einstigen Wasserspeicher der Stadt, spiegeln sich Tempel und Boote im stillen Wasser. Auf dem Markt verkaufen Frauen Tomaten, Bohnen und frisches Gemüse, Sadhus mit bemalten Gesichtern sitzen zwischen Stoffballen, und Wächter mit stolzen Schnauzbärten posieren gerne für ein Foto.
Die Menschen in diesem Landstrich haben uns besonders berührt: Musiker, die mit Leib und Seele singen, Saitenspieler, deren Melodien weit über die Dörfer tragen, und überall die farbenfrohen Turbäne, die in der Wüstenlandschaft leuchten.
Jodhpur – die blaue Stadt unter dem Fort
In Jodhpur wohnen wir im Schatten zweier Giganten: des Umaid Bhawan Palace, einer der grössten Privatresidenzen der Welt, und des Mehrangarh-Forts, das auf seinem Felsen hoch über der Stadt thront. Im Garten des Palastes spielen Hofmusiker in Turbänen, während ein alter Mann mit gelbem Turban auf seiner Flöte die Geschichte des Hofes begleitet.
Unser Führer erklärt die Mauern und Türme des Forts mit solcher Leidenschaft, dass die Geschichte greifbar wird. Von oben schweift der Blick über das Meer der blauen Häuser, denen Jodhpur seinen Beinamen verdankt.
Auf der Weiterreise begegnen uns Frauen in bunten Saris, die auf einer Steinmauer sitzen und dem Treiben zuschauen.
RAAS Chhatrasagar – am See und in den Dörfern
Von Jodhpur führt unsere nächste Etappe nach RAAS Chhatrasagar bei Nimaj. Der Blick über den See und die grünen Hügel bringt Ruhe in die Reise. Zwei Männer stehen am Wasser, ein Jeep bringt uns ins Buschland, und ein Farmer zeigt uns seine Felder – die Umgebung erschliesst sich uns durch Begegnungen mit ihren Menschen.
In den Dörfern rund um RAAS Chhatrasagar kocht eine Frau am offenen Feuer, Kinder lernen im Freien im Kreis sitzend, und Wasserträgerinnen balancieren ihre glänzenden Krüge durch die Gassen. Eine Töpferin formt und verziert ihre Tonkrüge mit sicherer Hand. Auch die Vogelbeobachtung gehört zu dieser Etappe: Ein Mann mit rotem Turban hat sein Spektiv aufgestellt.
Shahpura – Dorfbegegnungen und Eulen in der Felswand
Von RAAS Chhatrasagar reisen wir weiter nach Shahpura und machen Halt in Shahpura Bagh. Von hier führt ein Ausflug nach Dohariya und wieder zurück nach Shahpura Bagh. Die Bilder dieser Etappe erzählen von Begegnungen unterwegs: einem bunt geschmückten Lastwagen, Kindern mit Süssigkeiten und Menschen im Dorf. Zwei Eulen in einer Felshöhle bilden den Abschluss unserer Erinnerungen an Shahpura.
Chittorgarh – Festung der Legenden
Auf dem Weg nach Udaipur liegt Chittorgarh, die grösste Festungsanlage Indiens und Schauplatz von Legenden über Mut und Opferbereitschaft der Rajputen. Der kunstvoll verzierte Tempel, der von Moos überwucherte Siegesturm Vijay Stambh und die Frauen in bunten Saris auf den Tempelstufen vermitteln einen Eindruck von der Grösse dieses Ortes. Im Tempel sitzt ein Priester in stiller Andacht.
Udaipur – die Stadt der Seen
Udaipur gilt als eine der romantischsten Städte Indiens – zu Recht. Die weissen Paläste spiegeln sich im Pichola-See, Ausflugsboote ziehen ihre Kreise auf dem Wasser, und mitten im See liegt der Lake Palace wie ein weisses Schiff.
Der Stadtpalast überrascht mit prunkvollen Fassaden, Erkern und zarten Steinreliefs. In den Gassen darunter verkaufen Frauen Blumengirlanden, bemalte Holzfiguren stehen vor den Läden, und eine glänzende Royal Enfield parkt auf dem Platz – das Motorrad, das in Indien Kultstatus hat. Am Ufer sitzt ein Paar und schaut schweigend über den See.
Mumbai – Abschied am Arabischen Meer
Die letzte Station unserer Reise ist Mumbai, die Millionenmetropole am Arabischen Meer. Entlang der Marine Drive fahren Pferdekutschen an den Kolonialbauten vorbei, die schwarz-gelben Taxis flitzen durch den Verkehr, und das Leben pulsiert wie nirgends sonst im Land.
Am Abend stehen wir am Meer und schauen zu, wie die Sonne als feuerrote Kugel in den Ozean sinkt. Es ist der passende Abschluss einer Reise, die uns von den Minaretten Delhis über die Paläste Rajasthans bis an die Küste geführt hat – eine Reise voller Farben, Begegnungen und unvergesslicher Bilder.

