Der Kilimanjaro ist mit 5'895 Metern über Meer der höchste Berg Afrikas und zugleich der höchste freistehende Berg der Welt. Er ist kein technischer Berg – und genau das macht ihn etwas trügerisch. Wer ihn besteigt, kämpft nicht mit Fels und Eis, sondern mit der Höhe und mit der eigenen Geduld. Im November 2007 machte ich mich mit einer Gruppe auf den Weg: hinauf über die weniger bekannte Rongai-Route im Nordosten, hinunter über die klassische Marangu-Route im Süden. Eine Überschreitung also, die dem Berg gleich zwei sehr unterschiedliche Gesichter abgewinnt. Das war meine zweite Besteigung des Kilimanjaros nach 1996. Für die erste Besteigung über die Machame-Route existiert in diesem Reiseblog ein weiterer Reisebericht, u.a. auch mit ausführlichen Informationen zu Ausrüstung, Reisevorbereitung und vielen weitern Tipps.
Aufstieg über die Rongai-Route
Die Rongai-Route beginnt im Nordostenen, nahe der kenianischen Grenze, und ist im Vergleich zu anderen Routen eher weniger begangen. Während sich auf der Marangu-Route die Gruppen in den Hütten drängen, begegnet man hier je nach Jahreszeit tagelang kaum jemandem. Der Norden liegt zudem im Regenschatten des Berges: Die Wahrscheinlichkeit trockener Tage ist deutlich höher als auf der Südseite. Übernachtet wird im Zelt – was den Komfort etwas mindert, die Erfahrung aber unbezahlbar macht. Und weil der Anstieg vergleichsweise sanft ansteigt, bleibt Zeit für das Wichtigste am Kilimanjaro: die Akklimatisation.
Durch fünf Klimazonen
Der Kilimanjaro lässt einen in wenigen Tagen die unterschiedlichsten Vegetationszonen durchwandern. Der Start liegt in Kulturland und lichtem Regenwald, in dem es feucht und warm ist und in dem Colobus-Affen durch die Kronen turnen. Darüber folgt die Heide- und Moorlandzone mit ihren skurrilen Riesen-Senecien und Lobelien – Pflanzen, die aussehen, als hätte sie jemand für einen Science-Fiction-Film entworfen. Dann die alpine Wüste: Geröll, Staub, Sonne am Tag, Frost in der Nacht. Und zuletzt die Zone am Kraterrand, wo man, je nach Wetterbedingungen und Jahreszeit, auch mal auf Schnee trifft und Lavagestein zu sehen ist .
Mawenzi – der schöne Nachbar
Nach der zweiten und dritten Etappe erreicht man das Lager am Mawenzi Tarn, einem kleinen See unterhalb des zerklüfteten Mawenzi. Der 5'149 Meter hohe Nebengipfel ist deutlich wilder und felsiger als der runde Kibo – und für viele der optische Höhepunkt der ganzen Tour. Hier verbringt man in der Regel einen zusätzlichen Tag mit einer Akklimatisationswanderung: hoch gehen, tief schlafen, so lautet eine der Regeln, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Ohne sie geht gar nichts
Eine Kilimanjaro-Besteigung ist Teamarbeit. Auf jeden Gast kommen mehrere Träger, Köche und Guides. Sie tragen Zelte, Wasser, Verpflegung und Gepäck – oft auf dem Kopf, in erstaunlichem Tempo und stets freundlich. Wer den Berg besteigt, sollte sich bewusst sein, dass er das nicht allein tut, und dass faire Bezahlung und anständige Ausrüstung für diese Menschen kein Nebenschauplatz sind, sondern die Grundvoraussetzung für einen verantwortungsvollen Veranstalter.
In der Nacht auf den Gipfel
Vom letzten Lager auf rund 4'700 Metern geht es kurz nach Mitternacht los. Der Grund für den nächtlichen Start ist einfach: Man erreicht den Kraterrand rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Es ist bitterkalt, die Luft enthält nur noch die Hälfte des Sauerstoffs auf Meereshöhe, und man geht in einem Tempo, das im Tal lächerlich wirken würde: pole pole, langsam langsam. Am Gilman's Point erreicht man den Kraterrand, danach folgt die letzte, lange Stunde entlang des Kraters bis zum Uhuru Peak.
Uhuru Peak, 5'895 m
Das hölzerne Gipfelschild ist wohl eines der meistfotografierten Objekte Afrikas – und trotzdem geht einem der Moment nahe. Uhuru heisst auf Suaheli «Freiheit». Lange bleibt man meistens nicht: Kälte, dünne Luft, Erschöpfung und natürlich ab und zu auch schlechtes Wetter sind Gründe genug, den Abstieg rasch anzutreten.
Hinunter über Marangu
Der Abstieg führt zurück über den Kraterrand bis zum Gilman's Point und von da steil abwärts durch Lavageröll am Aussenkrater zurück bis zur Kibo-Hütte. Der weitere Abstieg führt über die Marangu-Route, im Volksmund «Coca-Cola-Route» genannt. Sie ist die älteste und mit Abstand komfortabelste Route: Statt Geröllpfaden gibt es einen gut unterhaltenen Weg. Das Tagesziel ist die Horombo-Hütte auf 3'720 Metern – und mit jedem Höhenmeter abwärts kehren Kraft und Appetit zurück. Am letzten Tag geht es an der Mandara-Hütte vorbei durch den Regenwald hinunter zum Marangu-Gate. Die Luft wird warm und schwer, es riecht nach Erde und Blüten, und man begreift langsam, wo man in den Tagen zuvor eigentlich gewesen ist.
Was ich mitgenommen habe
Der Kilimanjaro verlangt keine Klettertechnik, aber Demut. Wer sich Zeit nimmt, langsam geht und viel trinkt, hat gute Chancen. Wer den Berg im Eiltempo bezwingen will, scheitert oft an der Höhe. Die Kombination Rongai hinauf und Marangu hinunter ist dabei ideal: Man erlebt beide Seiten des Berges, geht auf der etwas einsameren Route hoch und steigt auf der bequemen wieder ab. Und ganz nebenbei durchwandert man in einer Woche die unterschiedlichsten Klimazonen.
Professionelle Organisation ist das A und O
Einmal auf dem höchsten Gipfel Afrikas zu stehen, ist der Wunsch vieler begeisterter Wanderer und Bergsteiger. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es neben guter Fitness und gezielter Vorbereitung einen professionellen Veranstalter, der die lokalen Verhältnisse nicht nur vom Hörensagen kennt. Für eine individuelle Organisation kann ich den von mir 1994 mitgegründeten spezialisierten Reiseveranstalter Let's go Tours in Schaffhausen empfehlen. Für geführte Gruppenreisen mit fixen Daten empfehle ich Kaufmann Trekking in Brunnen. Beide Firmen verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in der Organisation von Kilimandscharo-Besteigungen. Mehr Infos zur Vorbereitung, Material etc. findest du in einem weiteren Reisebericht "Der längste Tag" in diesem Reiseblog.
Für die Organisation einer Reise kann ich den von mir 1994 mitgegründeten spezialisierten Reiseveranstalter Let's go Tours in Schaffhausen empfehlen. Ich habe dort keine finanziellen Interessen mehr.

