Manchmal beginnt eine Reise nicht mit einem grossen Moment, sondern mit einer langen Schlange am Flughafen, mit müden Augen und der Frage, ob das Gepäck wohl mitgekommen ist. Nach einem Nachtflug aus Zürich lagen mehr als drei Wochen südliches Afrika: Namibia, Botswana und die Victoria Falls vor uns. Wüste, Wasser, Staub, Kälte, Tierbegegnungen und Landschaften, die sich tief einprägen. Es wurde eine Reise, die uns immer wieder staunen liess – und manchmal ganz still machte.
Namibia: Weite, Wüste und grosse Stille
Die ersten Tage führten uns nach einem kurzen Abstecher nach Windhoek in die namibische Kalahari. Schon auf der Fahrt hinaus aus der namibischen Hauptstadt veränderte sich der Blick: weniger Zivilisation, mehr Himmel, mehr Weite. In der Kalahari standen die roten Dünen im warmen Licht, das Gras leuchtete golden, und plötzlich waren sie da – Gnus, Giraffen, Springböcke. Es war kein dramatischer Auftakt, eher ein behutsames Hineingleiten in diese Landschaft. Gerade das machte ihn so schön.
Einige Tage später, im Namib Rand Nature Reserve wurde die Landschaft dramatischer, stiller, fast unwirklich. Die Wüste scheint nur auf den ersten Blick leer; Oryx, Zebras, Springböcke oder Strausse verlieren sich oft in der Weite der Landschaft. Die Landschaft wirkt mit ihren Farben, Formen und Schatten.
Bei Sossusvlei und Deadvlei standen wir zwischen roten Dünen, weissem Lehmboden und den schwarzen Silhouetten abgestorbener Kameldornbäume. Der Wind trieb Sand über den Boden, die Sonne zeichnete harte Linien in die Dünen, und für einen Moment wirkte alles wie eine Bühne, die nur für Licht und Stille gebaut wurde.
Nach der kühlen, nebligen Atlantikluft von Swakopmund führte uns der Weg weiter ins Erongo-Gebirge. Zwischen riesigen Granitfelsen lag die Ondudu Safari Lodge wie ein Rückzugsort am Rand der Welt. Besonders in Erinnerung blieb der Aufstieg vor Sonnenaufgang auf einen Granitmonolithen. Unter dem Sternenhimmel gingen wir mit unserem Führer schweigend und mit einem mulmigen Gefühl los, fanden Spuren von Leoparden und Hyänen und erreichten den Gipfel, als der erste helle Streifen am Horizont erschien. Die Paviane beobachteten uns aus sicherer Distanz. Solche Augenblicke erklären, warum man reist.
Damaraland und Etosha: Nashörner, Elefanten und grosse Momente
Im Damaraland wirkte die Landschaft noch wilder und fremder. Wir waren dort, um freilebende Spitzmaulnashörner zu sehen – Tiere, deren blosse Existenz heute nicht selbstverständlich ist. Mit Rangern und Guide fuhren wir stundenlang durch eine karge, steinige Landschaft, bis sich plötzlich Bewegung zeigte. Später standen wir zu Fuss in sicherer Distanz vor einem Nashornbullen. Kein Spektakel, kein lautes Safari-Drama, sondern ein stiller, respektvoller Moment. Wir hatten das Gefühl, etwas nicht Alltägliches erleben zu dürfen. Der Mittagshalt im trockenen Flusslauf bleibt unvergesslich.
Etosha und Ongava zeigten danach die ganze Fülle des afrikanischen Tierlebens. Schon die erste Pirschfahrt brachte Nashörner, Giraffen, Oryx, Zebras, Kudus, Schakale und Elefanten. Im Etosha-Nationalpark kreuzte ein Löwe mit prachtvoller Mähne unseren Weg, später standen riesige Herden von Gnus, Zebras und Straussen an einer Wasserstelle. Am meisten berührten uns jedoch die stillen Szenen am Wasserloch von Anderssons at Ongava: Elefanten, die sich mit Schlamm bespritzten, Giraffen, die mit gespreizten Beinen tranken, Nashörner in der Dämmerung. Es waren Bilder, die nicht laut sein mussten, um gross zu sein.
Botswana: Kalahari, Okavango und Linyanti
Mit dem Flug nach Botswana wechselte nicht nur das Land, sondern auch die Stimmung der Reise. In der Deception Valley Private Reserve war die Kalahari wild, von dichtem Buschland bewachsen und rau. Die Morgen im offenen Fahrzeug waren bitterkalt, doch die Landschaft entschädigte alles. Wir sahen Kudus, Impalas, Giraffen, Nashörner und Elefanten. Eine Bushman-Führung gab dem Ort eine zusätzliche Tiefe: Feuer machen mit zwei Hölzern, Pfeilherstellung, Erzählungen über das Leben im Busch. Und dann, in der Dunkelheit, spürte unser Tracker nahe der Lodge ein Leopardenweibchen auf – ein kurzer, magischer Moment im Scheinwerferlicht.
Das Okavango Delta fühlte sich an wie eine andere Welt. Nach Tagen aus Staub, Stein und Sand lag plötzlich Wasser vor uns: Kanäle, Schilf, Spiegelungen, Palmeninseln. Im Pom Pom Camp blickten wir auf eine Landschaft, die ständig in Bewegung war. Nilpferde grunzten im Wasser, Elefanten zogen durch die Flutebenen und regelmässig auch direkt durchs Camp, Kingfisher schossen wie Farbpfeile über die Kanäle. Ein Leopardenjunges kletterte vor unseren Augen auf einen Baum und legte sich auf einen Ast, als wäre es zum Fototermin beordert worden. Später fanden wir Wildhunde mit Jungen – alles Beobachtungen, die uns lange in Erinnerung bleiben werden.
Die lautlosen Fahrten im Einbaum und die Bootstouren durch die natürlichen Wasserstrassen zeigten uns das Delta von einer poetischen Seite. Alles wurde langsamer: das Licht, die Geräusche, sogar unser eigener Atem. Im Linyanti-Gebiet beim Chobe Nationalpark wurde die Landschaft wieder wilder und dichter. Büffelherden, Nilpferde, Zebras, Hyänen und das nächtliche Brüllen von Löwen begleiteten unsere letzten Safaritage in Botswana.
Victoria Falls: Grosser Schlussakkord
Der Schlussakkord wartete in Simbabwe. Schon beim «High Tea» von der Terrasse des Victoria Falls Hotel aus sahen wir die Gischt wie Rauch über den Bäumen stehen. Am späten Nachmittag gingen wir zu den Fällen. Mit Regenpelerinen standen wir an den Aussichtspunkten, während die Wassermassen donnerten und die Gischt wie Regen auf uns niederfiel. In der lokalen Sprache der Lozi heissen die Fälle «Mosi-oa-Tunya», was so viel wie «der Rauch, der donnert» heisst. Was für ein treffender Name! Dann spannte sich in der Abendsonne ein Regenbogen über die Schlucht. Nach all den Wüsten, Pisten, Flussläufen und Tierbegegnungen war dieser finale Moment unserer Reise fast zu perfekt.
Für die Organisation einer Reise kann ich das Reisebüro Helbling in Gossau empfehlen, das mir bei der Organisation dieser Reise behilflich waren. Ich habe bei dieser Firma keine finanziellen Interessen.


