Skisafari von Denver bis San Francisco
Zurück zu den Reiseberichten

Skisafari von Denver bis San Francisco

Ski9 Min. Lesezeit

Sechzehn Skigebiete in drei Wochen: Über Tageskartenpreise von einem anderen Stern, Tree Skiing, europäische Lifte und Schweizer Ski in den USA.

Skifahren begleitet mich seit meiner frühesten Kindheit. Eine frisch präparierte Piste oder ein noch unberührter Pulverschneehang lassen bei mir bis heute den Puls ansteigen. Diese Skisafari durch die USA war ein langgehegter Wunsch. Einige der Skigebiete kannte ich von früheren Reisen, die meisten waren Neuland.

Nicht- oder Gelegenheitsskifahrer mögen einwenden, warum man zum Skifahren über den Atlantik fliegen soll, wenn man doch in den Alpen schon das Beste vor der Haustür hat. Skifahren in fernen Ländern, ob in Japan, Island, Kanada oder eben in den USA, hat, wie Reisen sonst auch, mit dem Entdecken von Unvertrautem zu tun. So gibt es auch in den amerikanischen Skigebieten zahlreiche Besonderheiten, die überraschen mögen und eine solche Reise zu einem abwechslungsreichen Erlebnis mit Neulandcharakter werden lassen. Eine Feststellung vorweg: Skifahren in den USA ist nicht besser oder schlechter als in Europa, einfach in mancherlei Hinsicht anders. Von diesen Unterschieden zu den europäischen Skigebieten handelt der nachfolgende Bericht.

Die Reise

Die hier thematisierte Skisafari fand im Januar und Februar 2024 statt und war in drei Teile gegliedert (1. Colorado, 2. Utah, 3. Nevada & Kalifornien). Insgesamt sind wir über drei Wochen während sechzehn Tagen in ebenso vielen Gebieten Ski gefahren. Das durchgetaktete Programm tönt auf den ersten Blick nach Stress, so haben wir es aber nie empfunden. Eine sorgfältige Planung sorgte zudem für verhältnismässig wenige Hotelwechsel. An den meisten Orten verweilten wir drei, mindestens aber zwei Nächte und konnten von diesen »Hubs« aus jeweils mehrere Skigebiete in 15 bis maximal 45 Minuten Fahrzeit erreichen. Zum Teil lagen die Unterkünfte auch gleich in Gehdistanz zu den Skipisten oder ein bequemer Shuttle brachte uns zu den Liftanlagen. Etwas Wetterglück und meist gute bis sehr gute Schneeverhältnisse trugen zusätzlich dazu bei, dass wir die Reise in vollen Zügen geniessen konnten.

Einzelner Skifahrer vor weiter, verschneiter Hügellandschaft
Endlose Weite: einsame Hänge mit Blick über die verschneiten Hochebenen Colorados

Tageskartenpreise von einem anderen Stern

Mit dem Einstieg des amerikanischen Skiresort-Giganten Vail Resorts in Andermatt-Sedrun und jüngst in Crans-Montana wurden die Tageskartenpreise in den Medien hierzulande ausführlich thematisiert und Befürchtungen geäussert, dass dereinst in den Alpen amerikanische Preise Einzug halten könnten. Ein Augenschein in den USA hat gezeigt, dass vor allem spontane Tageskartenkäufe sehr teuer sind, man diese hohen Preise jedoch mit frühzeitiger Planung vermeiden kann.

Während unserer Reise durch sechzehn amerikanische Skigebiete waren die tagesaktuellen Preise für eine Tageskarte stets zwischen 200 $ und 300 $. Eine einzige Ausnahme bildete das Skigebiet Kirkwood in Kalifornien, das einen »Midweek-Special« für rund 150 $ anbot. Fast schon ein Schnäppchen! Es stellt sich somit natürlich die Frage, wer sich solche Preise überhaupt leisten kann? Skifahren ist in den USA definitiv kein Breitensport, sondern eher etwas für Gutbetuchte.

Natürlich zahlen nicht alle diese exorbitanten Preise. Small Talk ist in Amerika ein Volkssport und während drei Wochen kommt man auf den Sesselliften, in Restaurants oder bei anderer Gelegenheit zwangsläufig mit vielen Leuten ins Gespräch. Eine Erkenntnis aus diesen unzähligen Gesprächen war, dass ein hoher Prozentsatz entweder eine Saisonkarte des jeweiligen Skigebietes oder einen IKON- oder EPIC-Pass besitzt.

Für die von uns befahrenen Skigebiete haben wir uns im Vorfeld den »IKON-Base plus« für 1049 $ und zusätzlich eine Fünftageskarte von EPIC für 480 $ gekauft. Mit den fünf Tagen des EPIC-Passes konnten wir also im Durchschnitt für 96 $ pro Tag Ski fahren, was in etwa Tageskartenpreisen von europäischen Skigebieten entspricht. Der Saisonpass von IKON ermöglichte es uns, in gesamthaft elf Skigebieten an elf Tagen Ski zu fahren, was den Durchschnittstagespreis ebenfalls auf rund 95 $ reduzierte. Da diese Saisonkarte auch zu je fünf Skitagen in Zermatt, Chamonix, Kitzbühel, Dolomiti Superski und weiteren Destinationen in Japan, Südamerika, Australien und Neuseeland berechtigt, könnte man theoretisch für gut tausend Dollars mehr oder weniger das ganze Jahr rund um den Globus Skifahren.

Fazit: Lifttickets in den USA sind vor allem dann teuer, wenn man einzelne Tageskarten kauft. Saisonkarten und/oder Mehrtageskarten machen das Ganze erschwinglicher und für Vielfahrer sind Saisonkarten preislich sogar sehr attraktiv.

Höher und südlicher

Wer, aus Europa anreisend, gleich als erstes die Skigebiete in Colorado anpeilt, sollte sich vorgängig etwas mit Geografie und Klima beschäftigen, um nicht unnötig nach Luft zu schnappen. Die meisten Skigebiete in den USA liegen im Vergleich zu jenen in den Alpen oder Kanada viel höher. Insbesondere bei den Skigebieten in Colorado liegen die Talstationen nicht selten bei 2500m ü. M. Spitzenreiter ist dabei die Stadt Breckenridge auf 2926m ü. M. mit dem gleichnamigen Skigebiet und Skiliften bis auf knapp 4000m ü. M. Es lohnt sich also, die ersten Tage etwas gemächlich anzugehen und die atemberaubende Landschaft nicht zu wörtlich zu nehmen.

Ein weiterer wichtiger Unterschied findet sich in der bedeutend südlicheren Lage der meisten US-Skigebiete im Vergleich zu den europäischen Wintersportorten. Vergleichbar mit Europa wären diese irgendwo zwischen den süditalienischen Städten Neapel und Catania zu lokalisieren. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Baumgrenzen viel höher liegen als in den Alpen. In Colorado findet man Bäume bis auf Höhen von knapp 4000m ü. M.

Leere Highway-Strecke mit Schild »Welcome to Utah« vor einer Felskette
Etappenwechsel: von Colorado nach Utah – die Transfers führen durch weite, karge Landschaften
Zwei Skifahrer stehen auf einem Grat mit weitem Blick über verschneite Bergketten
Weiter Blick über die Hügelketten von Utah – Startpunkt einer langen Abfahrt

Je abseits, desto besser

Die hohe Baumgrenze ermöglicht das in den USA weitverbreitete »Tree skiing« in fast allen Skigebieten. Wenn in Europa oberhalb der Baumgrenze die Sichtverhältnisse bei Wind und Nebel das Skifahren nur noch eingeschränkt zulassen, ist das in den amerikanischen Skigebieten kein Grund klein beizugeben. Waldabfahrten sind selbst bei sehr schlechten Sichtverhältnissen noch möglich. Ein bedeutender Anteil der offiziell geprüften Abfahrten befindet sich in Terrain, welches nicht präpariert ist. Das heisst nicht, dass es nicht genügend und gut präparierte Pisten gibt, aber die Auswahl an möglichen und offiziell freigegebenen Abfahrten – ob durch Wälder, über Buckelpisten oder z.T. auch in wirklich abenteuerlichem Gelände – ist ungleich höher als in den Alpen.

Die Skifahrer nutzen diese Möglichkeiten ausgiebig und lassen sich dabei selbst von drastischen Warnschildern mit Hinweisen wie »extremely difficult« und einem Totenkopf-Symbol nicht abhalten. Selbst die kleinsten Dreikäsehochs fuhren mit ihren Skilehrerinnen in teils anspruchsvollem Gelände. Wir haben es ihnen gleichgetan und dabei viele tolle Abfahrten genossen.

Skifahrer fährt zwischen weissen Espenstämmen durch lockeren Schnee
Tree skiing zwischen Espen – in den USA gehören Waldabfahrten zum offiziellen Angebot

Transportinfrastruktur in europäischer Hand

In Nordamerika scheint sich trotz unzähliger Skigebiete keine inländische Skiliftindustrie etabliert zu haben, die den grossen europäischen Konkurrenten die Stirn bieten kann. Ausnahmslos alle Anlagen, ob Pendelbahnen, Gondelbahnen oder Sessellifte, stammen entweder vom österreichisch-schweizerischen Konzern Doppelmayr-Garaventa oder vom italienisch-französischen Konkurrenten Leitner-Poma. Uns fiel auf, dass die Anlagen im Durchschnitt älter sind als bei uns und die amerikanischen Skigebietsbetreiber ihren Kunden trotz hoher Tageskartenpreise weniger Komfort gönnen. So sind auf Sesselliften Ablagestützen für die Ski, Sturmhauben oder gar geheizte Sessel die absolute Ausnahme oder schlicht unbekannt.

Wir hatten während der ganzen Reise nicht wirklich kalte Temperaturen. Regelmässig haben wir uns vorgestellt, wie das wohl wäre, wenn wir nun bei minus 25 Grad Celsius und Wind auf dem gleichen Sessel ohne Sturmhaube zu Berg fahren würden. Selbst die hochpreisigen Edelskiorte wie Aspen (Colorado) oder Deer Valley und Park City (Utah) betreiben nebst topmodernen z.T. recht alte Liftanlagen, die man wohl bei uns schon längst ersetzt hätte.

Anständig anstehen? Geht doch!

Wer von aussen die amerikanische Politik verfolgt, bekommt nicht den Eindruck, dass die Amerikaner untereinander einen zivilisierten Umgang pflegen. Ganz anders verhält es sich am Skilift. Mit aller Selbstverständlichkeit formiert man sich schon zuhinterst in der Schlange zu Vierer- oder Sechsergruppen und fragt den Nachbarn links oder die Nachbarin rechts »do you mind, if I join you?«. Beim Anstehen wird rücksichtsvoll darauf geachtet, dass man einander genügend Platz einräumt. Drängeln und dabei den anderen auf den Ski herumtrampen? How dare you? Zuvorderst steht dann meistens ein Angestellter als »Tätschmeister«, der dafür sorgt, dass abwechselnd mal links, mal rechts zum Zuge kommt. Bei dieser Art des Anstehens entsteht eine entspannte Atmosphäre und immer wieder die Gelegenheit zu einem kleinen Schwatz.

Vier Skifahrer stehen nebeneinander am Pistenrand vor verschneiten Tannen
Gemeinsam unterwegs – kurzer Halt am Pistenrand vor der nächsten Abfahrt

Ski mieten oder mitnehmen?

Bei der Planung dieser Reise kam irgendwann auch die Ski-Frage auf. Mieten kam für mich nicht in Frage, weil wir täglich in anderen Skigebieten unterwegs waren und weil ich sicher sein wollte, mit gutem Material unterwegs zu sein. Mehrere Paar Ski mitzunehmen, erschien mir zu kompliziert. Persönlich war ich mit einem Stöckli Montero AX unterwegs und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Der Ski mit einer Länge von 173cm (bei Körpergrösse 180cm) hat mir auf den Pisten und in jedem Gelände beste Dienste geleistet. Alle bekannteren Skimarken haben ähnlich gelagerte All-Mountain-Modelle, die ebenfalls in Frage kommen.

Ski werden von vielen Airlines als Sportgeräte gratis transportiert, aber es lohnt sich, die jeweiligen Bedingungen genau zu studieren. Wer doch lieber mieten will, kann professionelle Mietservicefirmen wie »Skibutler« nutzen, die die Ski im ersten Skigebiet ins Hotel bringen und im letzten Skigebiet wieder abholen. Nicht billig, aber praktisch.

Skifahrer zieht bei blauem Himmel einen Schwung über eine breite Piste
Mit dem eigenen Ski unterwegs – bestens präparierte Piste unter tiefblauem Himmel

Swiss Made in USA

Wir waren überrascht, wie stark vertreten die Schweizer Skimarke Stöckli in den USA ist. In Deer Valley, einem der exklusivsten Skigebiete der USA, stand ich einmal gar vor einem Skiständer voller Stöckli-Ski und fragte den Angestellten, was es damit auf sich habe. Er erklärte mir, dass es sich bei den Besitzern um einen exklusiven Privatskiclub handle, deren Mitglieder auch regelmässig in der Schweiz Ski fahren, sich die Stöckli-Ski jeweils vor Ort kauften und dann zurück in die USA bringen würden. Beste Werbung für »Made in Switzerland«.

Wintertauglicher Transport ein Muss!

Das Gepäck, inkl. Ski, Skischuhe etc., wächst selbst bei Selbstbeschränkung schnell zu einem ansehnlichen Berg an. Je nach Gruppengrösse bedarf es eines entsprechend grossen Autos, um alle Passagiere und das ganze Gepäck unterzubringen. Noch wichtiger bei der Fahrzeugmiete ist, dass nur Autos gemietet werden, die uneingeschränkt wintertauglich sind. Die US-Autovermieter haben hier eine etwas grenzwertige Art, mit dem Begriff Wintertauglichkeit umzugehen: Zweimal wurden uns Autos zugeteilt, die weder über den vorbestellten und bestätigten Vierradantrieb noch über Winterreifen oder wenigstens Schneeketten verfügten. Ein solcher Antrieb oder eben Schneeketten sind aber zwingend notwendig – je nach Strassenverhältnissen werden Fahrzeuge ohne Vierradantrieb, Winterreifen oder Ketten an Checkpoints rigoros aus dem Verkehr gezogen.

Kontrollposten an verschneiter Strasse mit Schild »Chains Required«
»Chains required« – an solchen Checkpoints wird kontrolliert, ob das Fahrzeug wintertauglich ist

Befahrene Skigebiete

Copper Mountain, Breckenridge, Aspen Mountain, Aspen Snowmass, Steamboat Springs (Colorado), Park City, Deer Valley, Snowbird, Alta, Solitude, Brighton, Snowbasin (Utah) sowie Heavenly (Nevada/Kalifornien), Kirkwood, Alpine Meadows und Palisades/Squaw Valley (Kalifornien).

Von Denver bis San Francisco

8 Stationen – von Denver bis San Francisco

  1. 1DenverStart
  2. 2Vail
  3. 3Aspen
  4. 4Telluride
  5. 5Park City
  6. 6Salt Lake City
  7. 7Lake Tahoe / Heavenly
  8. 8San FranciscoZiel

Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende

Weitere Berichte

Ewige Sonne über eisigem Meer

Unterwegs

Ewige Sonne über eisigem Meer

Tromsø jenseits des Polarkreises: Mitternachtssonne, stille Fjorde und ein warmes Licht, das selbst spät in der Nacht nicht vergeht.