USA - Tell auf Abwegen
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USA - Tell auf Abwegen

Unterwegs3 Min. Lesezeit

Fern der Heimat begegneten wir unserem Nationalhelden. Manchmal ist es besser, wenn man nicht alles weiss…

Plötzlich hing es vor uns: ein etwas schludrig aufgehängtes Banner. Solche Banner sieht man oft an Grümpelturnieren, bei Neubauprojekten oder Geschäftseröffnungen, wenn die Zeit nicht mehr reicht, die Fassade oder Eingangstür professionell mit dem Firmenlogo zu beschriften. Doch was darauf stand, machte uns für einen Moment sprachlos.

Auf dem Weg nach Tell City

Unser Roadtrip von der Westküste der USA an die Ostküste lag bereits gut zur Hälfte hinter uns. Von St. Louis in Missouri kommend, hatten wir die letzte Nacht in Evansville, Indiana, verbracht – einer jener zahlreichen Städte in den USA, die man nicht unbedingt gesehen haben muss, deren Hotels sich aber für einen Zwischenstopp anbieten. Heute war Louisville in Kentucky unser Ziel. Über weite Strecken führte die Fahrt durch flaches, von Wäldern unterbrochenes Farmland und immer wieder am Ohio entlang. Kurz vor der Hälfte unserer Tagesetappe entdeckten wir auf der Karte die Ortschaft Tell City, was uns natürlich neugierig machte.

Wilhelm Tell in Indiana

Der Ort ist mit rund achttausend Einwohnern nicht besonders gross, und den weissen Turm der historischen City Hall sah man schon von Weitem. Davor stand – bei diesem Ortsnamen war es kaum anders zu erwarten – unser Nationalheld: die Armbrust geschultert und eine Hand schützend auf die Schulter seines Sohnes Walterli gelegt. An der Fassade prangte das eingangs erwähnte Plakat mit der Aufschrift: „Tell City Supports the Troops“ („Tell City unterstützt die Truppen“).

Wilhelm-Tell-Denkmal mit Walterli vor der City Hall in Tell City
Wilhelm Tell und Walterli vor der City Hall in Tell City
Banner mit der Aufschrift Tell City Supports the Troops
Das Banner an der City Hall

Wir fragten uns: Was würde unser Nationalheld wohl dazu sagen, dass sein Name für die Unterstützung fremder Truppeneinsätze missbraucht wird? Wäre es ihm allenfalls gleichgültig? Eher nicht, denn der Legende nach kämpfte er selbst gegen fremde Herrscher. Andererseits standen damals nicht wenige Eidgenossen als Söldner in fremden Diensten. Wir würden es nie erfahren, sagten wir uns und fuhren kopfschüttelnd unserem Tagesziel entgegen.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Der Irakkrieg war 2009 zwar offiziell längst vorbei, doch amerikanische Truppen blieben noch Jahre darüber hinaus – wenn auch in verringerter Zahl – bis 2026 im Irak stationiert. Die amerikanische Gesellschaft war über die Sinnhaftigkeit des von der damaligen Bush-Administration vom Zaun gebrochenen Krieges entzweit. Die Trennlinie zwischen Befürwortern und Gegnern verlief dabei häufig entlang der Parteigrenze zwischen Republikanern und Demokraten. Indiana galt als klare Hochburg der Republikaner und unterstützte die Bush-Administration; dies zeigte sich auch in Tell City.

Wie kam es zum Namen Tell City?

Die Ortschaft wurde 1856 von einer Gruppe Schweizer Einwanderer gegründet. Mehr zur Geschichte findet sich unter dem folgenden Wikipedia-Link.

Über Tell City nach Louisville

4 Stationen – von St. Louis, Missouri bis Louisville, Kentucky

  1. 1St. Louis, Missouri 
  2. 2Evansville, Indiana
  3. 3Tell City, Indiana — Begegnung mit Wilhelm Tell
  4. 4Louisville, Kentucky 

Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende

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