Houston: Kunst und ein Auftakt mit Überraschungen
Am 17. April 2024 beginnt unsere Reise durch den Süden und Westen der USA in Houston. Die texanische Metropole ist vom Erdöl geprägt, überrascht aber mit einer lebendigen Museumslandschaft. Zum Museum of Fine Arts gehören neben dem grossen Campus auch historische Häuser und Gärten – Orte, an denen europäische Kunst und amerikanische Architektur zusammentreffen.
Schon die ersten Bilder erzählen von den Kontrasten dieser Reise: kultivierte Sammlungen, deutliche Regeln am Eingang und draussen ein Fahrzeug, dessen Dimensionen ganz zu den weiten Distanzen in Texas passen.
Dallas, Fort Worth und Waxahachie
Die Fahrt nach Norden führt nach Dallas, dessen moderne Skyline sich scharf vom blauen Himmel abzeichnet. Nur wenig weiter westlich pflegt Fort Worth mit Stockyards, Rodeo und Westernsymbolen bewusst ein anderes Bild: Hier wird die Geschichte der Viehtriebe und Cowboys bis heute ins Stadtbild eingeschrieben. Uns aber ziehen die Kunstmuseen an. In Dallas ist es das Dallas Museum of Art und in Fort Worth sind es die Kimbell Art Museum und das Modern Art Museum of Fort Worth. Alle drei verfügen über hochkarätige Sammlungen.
Auf dem Weg zurück Richtung Süden liegt Waxahachie. Die Kleinstadt mit ihren historischen Fassaden und Wandbildern bildet einen ruhigen Gegenpol zu den grossen Ballungsräumen von Dallas und Fort Worth.
Austin und San Antonio: zwei Gesichter von Texas
Austin, die Hauptstadt von Texas, liegt am Colorado River und verbindet Regierungssitz, Universität und eine ausgeprägte Musikszene. Über den Bäumen erscheint die wachsende Skyline, während das mächtige State Capitol an die politische Geschichte des Bundesstaates erinnert. Das Blanton Museum of Art mit seiner zeitgenössischen Sammlung ist ebenfalls ein Besuch wert.
In San Antonio führt der River Walk unter alten Bäumen durch das Zentrum. Kunst begegnet uns im McNay Art Museum, das in einer Villa im spanischen Kolonialstil eingerichtet ist.
Westwärts nach Marathon und in den Big Bend
Hinter San Antonio werden die Städte kleiner und die Distanzen grösser. Marathon ist eines der Tore zum Big Bend National Park. Das Strassenschild wirkt beinahe wie ein Versprechen: Von hier führt der Weg in eine Landschaft aus Wüste, Bergen und tief eingeschnittenen Canyons.
Im Big Bend beschreibt der Rio Grande eine grosse Schleife entlang der mexikanischen Grenze. Besonders eindrücklich ist der Santa Elena Canyon, wo der Fluss zwischen steilen Felswänden hindurchzieht. Auf den einsamen Strassen wechseln helle Steinflächen, Wüstenvegetation und dunkle Bergsilhouetten. Gegen Abend legt sich warmes Licht über die Chisos Mountains.
Marfa und Shafter: Kunst in der Wüste
Shafter und Marfa erzählen von Bergbau, Ranching und dem Leben in einer abgelegenen Grenzregion. Marfa wurde zugleich zu einem internationalen Kunstort, seit Donald Judd hier in den 1970er-Jahren zu arbeiten begann. Minimalistische Bauten stehen scheinbar selbstverständlich in der weiten Landschaft, während faszinierende Lichtinstallationen von Dan Flavin Ausstellungshallen beleuchten.
Das bekannteste Spiel mit dieser Abgeschiedenheit ist Prada Marfa: kein Geschäft, sondern eine Kunstinstallation an der US 90. Zwischen Asphalt und Wüste wirkt die elegante Fassade gleichzeitig fremd und erstaunlich passend. Verblasste Szenen zum alten Westernfilm Giants und improvisierte Kunst am Strassenrand begleiten uns weiter nach Norden.
Carlsbad, Roswell und Santa Fe
In New Mexico führt die Route zunächst unter die Erde. Die Carlsbad Caverns gehören zu den grössten zugänglichen Höhlensystemen Nordamerikas. Tropfsteine, mächtige Hallen und fein geformte Kalkgebilde schaffen eine Welt, die mit der trockenen Landschaft über ihr kaum etwas gemeinsam zu haben scheint.
Roswell pflegt seinen Ruf als UFO-Stadt mit viel Humor. In der weiteren Umgebung erinnern Longhorn-Rinder und Smokey Bear an zwei andere amerikanische Erzählungen: die Ranchkultur und den Schutz der Wälder vor Feuer.
Santa Fe liegt auf über 2100 Metern und bewahrt mit seinen Adobe-Fassaden ein unverwechselbares Stadtbild. Galerien, Skulpturen und Museen prägen die Strassen. Im Georgia O’Keeffe Museum begegnen wir einer Künstlerin, deren Bilder von Blumen, Knochen und Wüstenlandschaften eng mit New Mexico verbunden sind. Nördlich der Stadt öffnet sich eine farbige Welt aus Tafelbergen, Schluchten und bewaldeten Höhen.
Chama, Farmington und der Canyon de Chelly
Über Chama und Farmington führt die Reise auf das Colorado Plateau. Shiprock ragt wie ein dunkles Segel aus der Ebene und ist für die Navajo ein heiliger Ort. Die Strassen ziehen über grosse Entfernungen durch eine Landschaft, in der Himmel und Horizont den Massstab bestimmen.
Im Canyon de Chelly reichen die Spuren menschlicher Besiedlung weit zurück. Felszeichnungen und die Ruinen früher Pueblo-Kulturen liegen in den roten Sandsteinwänden, während Navajo-Familien das Tal noch heute bewirtschaften. Mit einem lokalen Führer erschliesst sich die Landschaft nicht nur als Naturschauspiel, sondern als bewohnter und erinnerungsreicher Raum.
Hubbell Trading Post, Tuba City und Sedona
Der Hubbell Trading Post erinnert an den Handel zwischen Navajo, Hopi und den Siedlern. Weiter westlich führen Tuba City, das Hopi Museum und Flagstaff durch eine Region, in der indigene Geschichte und Gegenwart sichtbar bleiben. Die geraden Strassen und die offene Hochebene verstärken das Gefühl der Weite.
Bei Sedona ändert sich die Kulisse. Rote Felsmassive leuchten im Abendlicht über Wacholdern und Kiefern. Die markanten Sandsteinformationen machen den Ort zu einem der landschaftlichen Höhepunkte Arizonas.
Phoenix und der Flug nach Los Angeles
In Phoenix erreichen wir die Sonora-Wüste. Riesige Saguaros wachsen hier wie vielarmige Figuren in den blauen Himmel. Nach den langen Fahrten durch Texas, New Mexico und Arizona endet dieser erste Teil der Reise.
Die Strecke von Phoenix nach Los Angeles legen wir nicht auf der Strasse, sondern mit dem Flugzeug zurück. Damit beginnt ein neuer Abschnitt: vom trockenen Binnenland an den Pazifik, zuerst zur Hochzeit unseres Patenkindes und anschliessend entlang der kalifornischen Küste nach Norden.
Los Angeles, Pasadena und die Küste Südkaliforniens
Nach der Landung in Los Angeles führt die Route zunächst südwärts nach Carlsbad zur Hochzeit unseres Patenkindes und nach Dana Point zu unseren Freunden, danach wieder nach Norden. Küstenblicke, breite Highways und die dicht besiedelten Hügel zeigen, wie eng Natur und Millionenstadt in Südkalifornien beieinanderliegen.
Die Museen von Los Angeles und Pasadena setzen den kulturellen Faden der Reise fort. Das Getty Center thront über der Stadt; das Los Angeles County Museum of Art und die Huntington Art Collection verbinden Kunst mit eindrücklicher Architektur und weitläufigen Gärten. Unter alten Bäumen und zwischen Skulpturen entsteht eine ruhige Gegenwelt zum Verkehr der Freeways.
Santa Paula, Santa Barbara und San Luis Obispo
Hinter Los Angeles wird die Reise kleinteiliger. Historische Bahnhöfe, alte Automobile und Zapfsäulen erinnern an die Zeit, als die Küstenstrasse selbst Teil des Abenteuers war. Santa Paula liegt in einem landwirtschaftlich geprägten Tal, Santa Barbara zeigt spanisch-koloniale Einflüsse, und San Luis Obispo markiert den Übergang zur Central Coast.
Immer wieder öffnet sich der Blick auf den Pazifik. Blühende Hänge, felsige Buchten und das wechselnde Licht begleiten die Fahrt nordwärts.
Carmel und Monterey Bay
Rund um Carmel-by-the-Sea und die Monterey Bay rücken Tierwelt und Küste in den Mittelpunkt. Seelöwen ruhen zwischen den Felsen, während Brandung und helle Sandflächen die Buchten gliedern.
Die spanische Vergangenheit Kaliforniens bleibt in Missionsarchitektur und Kreuzgängen sichtbar. Sie steht neben einer Küstenlandschaft, die vielerorts erstaunlich unverbaut wirkt.
San Francisco: Abschluss an der Bucht
San Francisco bildet den Abschluss der Reise. Die Strassen ziehen über Hügel, Hochhäuser stehen dicht beieinander, und von erhöhten Punkten reicht der Blick durch die Häuserschluchten zur Bucht.
Die Golden Gate Bridge ist das weithin sichtbare Symbol dieses Endpunkts. Nach sechs Wochen "on the road" schliesst sich hier der Bogen: von den Kunstmuseen Houstons über die Wüsten von Texas, New Mexico und Arizona bis an die kühle Pazifikküste Kaliforniens.

