Ich liebe die Berge, und das Oberengadin gehört zu meinen bevorzugten Aufenthaltsorten in den heissen Sommermonaten – und oft auch im Winter. Als polyvalenter Sportler schätze ich die zahlreichen Möglichkeiten für Bergtouren, Trailruns, Langlauf, Alpinskifahren oder Skitouren.
Im Schatten des Berges
Eine Besteigung des Piz Languard lohnt sich im Sommer besonders in den frühen Morgenstunden. Die Tour ist zwar schweisstreibend, aber bricht man bei Tagesanbruch in Pontresina auf, liegt die Südwestflanke des Berges im Schatten bis man ganz oben ankommt. Zudem ist man um diese Tageszeit bis zur Georgy Hütte kurz unter dem Gipfel meist ganz alleine unterwegs. Der Weg ist in gutem Zustand und die Tour ist – Schwindelfreiheit vorausgesetzt – mit Ausnahme der letzten rund 100 Höhenmeter technisch anspruchslos. Nur ganz oben, kurz vor dem Gipfel, sind Hilfsseile installiert und man muss vorübergehend die Hände zu Hilfe nehmen.
Trotzdem hat es der Berg in sich: Von Pontresina bis zum Gipfel auf 3262 m ü. M. sind auf rund 6,5 Kilometern 1450 Meter Höhenunterschied zu bewältigen. Es geht also zur Sache! Wer es etwas weniger anstrengend mag, fährt ab Pontresina mit der Sesselbahn hoch auf die Alp Languard. Das spart rund 500 Höhenmeter Auf- und/oder Abstieg aber die dafür muss man sich beim Start an die Betriebszeiten der Sesselbahn halten.
Durch Lärchenwald und Alpweiden
Anfänglich führt der Weg von Pontresina an der alten romanischen Kirche Santa Maria und dem um 1200 erbauten Tuor Spagnola vorbei hinauf durch einen schönen Lärchenwald. Immer wieder ergeben sich schöne Blicke auf den Piz Palü auf der gegenüberliegenden Talseite und hinunter ins Tal. Etwas unterhalb der Alp Languard verlässt man den Wald und steigt durch Alpweiden weiter hoch. Je nach Jahreszeit sichtet man unterwegs mit etwas Glück Steinböcke.
Murmeltiere und Wasserstellen
Bei der Alp Languard biegen in kurzer Reihenfolge zwei Wege Richtung Unterer Schafberg, respektive Richtung Segantini Hütte ab. Der weg zum Piz Languard führt geradeaus. Etwas später gabelt sich der Weg erneut: Rechts geht’s zur Paradis Hütte und zum Piz Albris, unser Weg zweigt links ab und es geht zuerst gemächlich und dann immer steiler bergauf. Unterwegs gibt es zwei Wasserquellen am Wegrand, wo man die Trinkflasche nachfüllen kann. Die Murmeltiere sonnen sich hier gerne entlang des Weges.
Bald folgt eine weitere Abzweigung, welche links über den Steinbockweg erneut zur Segantini Hütte führt. Wir folgen dem Weg geradeaus und nach weiteren rund 20 Minuten kommt nochmals eine Gabelung: Geradeaus könnte man von hier via Fuorcla Pischa hinunter ins Val da Fain oder wiederum auf den Piz Albris. Der Weg zum Piz Languard führt ab hier fast in der Vertikalen hoch durch die Felsen.
Kurz vor dem Gipfel erreicht man die Georgy Hütte auf 3175 m ü. M. Von hier bis zum Gipfel sind es noch rund 90 Höhenmeter durch felsiges, mit Seilen gesichertes Gelände.
Panorama der Superlative
Oben angekommen bietet sich einem ein Panorama der Superlative. Im Osten die italienischen und österreichischen Alpen mit Ortler und Grossglockner; im Süden unterhalb der Berninapass mit See und rechts davon die Gebirgskette von Piz Palü über den Piz Bernina mit dem markanten Bianco Grat bis hin zum Piz Corvatsch; im Westen blickt man hinunter nach St. Moritz und zu den dahinterliegenden Gipfeln des Piz Julier, Piz Nair und Piz Ela; und im Norden erblickt man den Piz Kesch und den Piz Buin.
Frühstück auf 3175 Metern
Bei frühem Start in Pontresina und schönem Wetter lohnt sich nach den Aufstiegsstrapazen eine Einkehr in der Georgy Hütte zum Frühstück auf der Terrasse. Die Hütte wird im Normalfall erst ab Anfang Juli bewirtet, weil vorher auf dieser Höhe und auf dem Weg oft noch Schnee liegt. Übernachten kann man hier übrigens auch – eine Reservation ist dringend empfohlen, da die Hütte sehr klein ist.
Im Anschluss geht’s auf dem gleichen Weg wieder talwärts. Wer müde ist, steigt auf der Alp Languard in die Sesselbahn und fährt hinunter nach Pontresina.

